Veränderung. Schon wieder.

Seit knapp zwei Monaten habe ich eine neue Stelle und damit ist mal wieder alles anders. Also, alles bis auf den Beruf. Es hat erst sehr lange gedauert und ging dann plötzlich ganz schnell.

Letzten Sommer habe ich mich initiativ für ein Programm beworben, durch das ich auf Grundlage meines Uni-Abschlusses in den gehobenen Verwaltungsdienst aufsteigen kann. Normalerweise hätte ich dafür, weil ich nicht öffentliche Verwaltung oder etwas Ähnliches studiert habe, neben der Arbeit einen dreijährigen Lehrgang mit vielen Prüfungen absolvieren müssen. Das war im Grunde auch mein Plan. Aber dann habe ich durch einen Tipp einen Arbeitgeber gefunden, der die Zugangsvoraussetzungen für den Einstieg in den gehobenen Dienst vor nicht all zu langer Zeit erweitert hat. Nach fast einem Jahr gespannter Warterei wurde ich diesen Sommer endlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen und habe direkt im Anschluss an das Gespräch eine Zusage bekommen. Gut zwei Monate später ging es dann auch schon los.

Ich durchlaufe jetzt eine zweijährige Phase, in der ich in vier verschiedenen Stellen eingesetzt werde, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen, sodass ich bestimmte Kompetenzen erwerbe. Während dieser Phase bin ich bereits im gehobenen Dienst, habe also schon entsprechende Aufgaben und werde entsprechend bezahlt. Im Anschluss an diese zwei Jahre bekomme ich dann eine feste Stelle im gehobenen Dienst.

Klingt so, als müsste mir die Entscheidung, mich für dieses Programm zu bewerben, sehr leicht gefallen sein. Immerhin ist das eine absolut fantastische berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeit für mich. Aber es war wirklich schwierig und von dem Moment, in dem ich von dieser Möglichkeit erfahren habe, bis zu dem, in dem ich beschlossen habe, mich zu bewerben, sind fast vier Monate vergangen. Weil, na ja, es ist eine Veränderung. Eine Abweichung von meinem Plan. Das Aufgeben einer Menge Sicherheit, die ich bei meiner bisherigen Stelle hatte. Nicht gerade einladend für mich. Ich brauchte Zeit, es mir durch den Kopf gehen zu lassen, gedanklich Szenarien durchzuspielen, in mich hineinzuhorchen und mich langsam an die Vorstellung zu gewöhnen, diesen Weg zu gehen, auch wenn mir kognitiv eigentlich von Anfang an klar war, dass ich das gerne will.

Und jetzt sind auch schon die ersten beiden Monate so gut wie vorbei. Es waren zwei richtig gute Monate, trotz aller Umgewöhnung und Aufregung, trotz aller Nervosität und Unsicherheit wegen all dem Neuen. Ich habe schon so viel gelernt und bin so unglaublich froh, mental wieder richtig gefordert zu werden! Mir war klar, dass ich in den letzten Monaten angefangen hatte, mich auf meiner bisherigen Stelle unterfordert zu fühlen und zu langweilen, aber ganz bewusst geworden ist mir das Ausmaß erst durch die neue Stelle. Es fällt mir überhaupt nicht leicht, mich wieder neu einzufinden, mit neuen Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu treten und auch noch zu wissen, dass ich das in ein paar Monaten wieder bewältigen muss. Und dann noch mal. Und noch mal. Außerdem ist mein Arbeitsweg deutlich länger geworden, sodass ich viel länger außer Haus bin als bisher. Ich fahre zwar weiterhin mit dem Rad, was mir großen Spaß macht und auch Entspannung für mich bedeutet, aber anstrengend ist es trotzdem, jeden Tag so lange von zu Hause weg zu sein. Es ist viel. Aber es lohnt sich so sehr! Das kann ich nach dieser kurzen Zeit schon sagen. Endlich muss ich mein Gehirn wieder richtig benutzen, um meine Arbeit zu erledigen. Die Aufgaben sind wesentlich interessanter, komplexer und vielfältiger als bisher und das tut mir wirklich gut. Ich bin so froh, diesen Schritt gemacht zu haben und freue mich sehr darauf, noch viel mehr zu lernen.

Was ich offensichtlich immer noch nicht gelernt habe (und auch vermutlich niemals lernen werde), ist dieses Teamintegrationsding. Mich haben schon wieder mehrere Leute darauf angesprochen, dass ich eine recht stille Zeitgenossin bin: „Du bist eher introvertiert, oder?“ „Ich dachte erst, es geht dir vielleicht nicht so gut, aber ich hab‘ jetzt doch eher den Eindruck, dass du einfach ruhig bist. Stimmt das?“ „Du bist ja auch eher eine, die ihre Ruhe braucht, was?“ Dabei hatte ich eigentlich mal wieder das Gefühl, dass ich in Sachen Offenheit und Kontaktfreude einen Schritt nach vorne gemacht habe. Faszinierend, wie sehr ich mich dahingehend immer wieder täusche. (Wer meine anderen Blogbeiträge zum Thema Ausbildung und Arbeit gelesen hat, hat jetzt vermutlich sowas wie ein Déjà-vu und fragt sich, ob ich es jemals kapieren werde. Berechtigte Frage.)

Bisher ist das Feedback insgesamt, vor allem für meine Arbeit, aber auf jeden Fall positiv. Das ist natürlich motivierend und ermutigend. Ich bin sehr gespannt auf die kommende Zeit, fühle mich gut und bin zuversichtlich, dass ich diese zwei Jahre meistere und danach auf einer Stelle lande, die mir gefällt und mich mental fordert.