Arbeitsalltag.

Es ist vorbei. Ich habe es tatsächlich geschafft. Alle Prüfungen sind absolviert, sogar die garstige mündliche Ende Februar. Die hatte mir im Vorfeld eine Menge Sorgen und Angst bereitet, war aber am Ende weniger schlimm auszuhalten, als ich befürchtet hatte und mit dem Ergebnis bin ich auch vollkommen zufrieden. Jetzt liegt eine Menge Stress endlich hinter mir. Hobbithexe ist eine freie Elfe mit abgeschlossener Berufsausbildung! Und das inzwischen schon seit drei Monaten.

Da ist er nun, dieser Arbeitsalltag, der gleichmäßige, auf den ich mich so gefreut habe. Gut ist er! Das Grundgerüst meiner Arbeitstage ist so einheitlich und vorhersehbar, wie ich es brauche. Ich habe mein eigenes Büro, bearbeite einen ganz eigenen Aufgabenbereich und kann mir meine Zeit und meine Arbeit einteilen, wie ich möchte. Manchmal muss ich zwar auf die eine oder andere Stellungnahme meiner technischen Kolleginnen und Kollegen etwas länger warten, als ich es mir wünschen würde, also bin ich nicht vollkommen unabhängig von anderen, aber dieser Einfluss auf meine Arbeit ist ziemlich gering. In meinem Sachgebiet bin ich meine eigene Herrin.

Ich mag meine Arbeit, habe genug zu tun und muss mich nicht langweilen. Es tauchen immer wieder neue Sachen auf, die in meiner Einarbeitungsphase im letzten Jahr gar nicht vorgekommen sind. Meine Vorgängerin hat mir eine Menge vermittelt, aber seit Ende Dezember ist sie weg und ich muss mich eben selbst durchwurschteln, wenn ich mit etwas konfrontiert bin, das sie mir nicht erklärt hat. Das ist nicht immer einfach, macht mir aber viel Spaß und ist genau die Art Herausforderung, die mir liegt und gefällt.

Was mir nicht so liegt, ist der Sozialkram, der nun mal dazu gehört, wenn man irgendwo arbeitet, wo auch andere Menschen arbeiten. Mein Team ist klein und wirklich nett und dadurch, dass wir alle irgendwie unseren jeweils eigenen Aufgabenbereich haben, haben wir dienstlich eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Das kommt mir entgegen. Trotzdem begegnet man sich natürlich und in der Küche, am Kopierer, bei den Postfächern oder bei den gemeinsamen Mittagspausen komme ich eben nicht um Smalltalk herum. Das ist für mich ziemlich anstrengend. Ich kann im Zusammensein mit anderen Menschen, die nicht zu meinem allerengsten Kreis gehören, nicht aufs Maskieren verzichten. Zum Einen habe ich mir das viel zu sehr antrainiert und zum Anderen würde ich sonst viel zu sehr anecken, andere verunsichern und irritieren. Aber ich mag mein Team und habe vor, noch lange in diesem Amt zu bleiben. Da will ich auf gar keinen Fall dem Arbeitsklima und dem Miteinander schaden. Das Maskieren muss also irgendwie sein, kostet aber eine Menge Kraft. Viel mehr Kraft, als meine eigentliche Arbeit. An den meisten Tagen sind es nur wenige, kurze Momente, in denen ich interagieren muss und dann ist es okay, an anderen ist es doch eine spürbare Belastung für mich. Aber so ist es nun einmal. Ich kann nicht im menschenleeren Raum arbeiten, auch wenn ich es gern würde. Zum Glück kenne ich meine kleine Arbeitsgruppe inzwischen lange und gut genug, um die Kolleginnen und Kollegen einigermaßen einschätzen zu können. Das macht das Ganze nach und nach einfacher.

Insgesamt sind die Bedingungen für mich also gut. Ich gehe gern zur Arbeit, bin zufrieden mit meinem Alltag und kann erst einmal alles so weiterlaufen lassen. In den nächsten Jahren will ich mich auf jeden Fall noch weiterbilden, womit sicherlich einige neue Herausforderungen auf mich zukommen werden, aber fürs Erste kann ich jetzt in meinem ruhigen, geregelten Arbeitsleben ankommen, Erfahrungen sammeln und genießen, dass ich mir einen Beruf und eine Stelle erarbeitet habe, die meinen Bedürfnissen gut entspricht. Das ist einfach toll.