Für eine sachliche Zusammenarbeit mit anderen geeignet.

Es läuft ganz gut bei mir, denke ich. Die erste Klausurphase ist vorbei und sie war zwar ein bisschen anstrengend, im Grunde genommen aber völlig okay. Die ersten Ergebnisse habe ich auch schon bekommen und sie sind sehr gut. Ich kann sowas ja nie richtig einschätzen, aber der Rest dürfte demnach eigentlich auch nicht schlecht sein.

Außerdem habe ich die Probezeit bestanden. Gut, das ist nicht besonders überraschend. Ich hätte mir schon ziemlich was leisten müssen, um eine Kündigung zu bekommen. Aber ich habe sie auch noch wirklich sehr gut bestanden. Mein Praxisanleiter musste einen Bewertungsbogen ausfüllen und hat mit mir darüber gesprochen. Er ist sehr zufrieden mit mir und sagt ich sei besonders pünktlich, fleißig, interessiert, lernbegierig, sorgfältig und schnell, hätte mir schon sehr viel Fachwissen angeeignet, sei sprachlich auf einem sehr guten Niveau und absolut verlässlich. Er hat sogar im Bogen vermerkt, dass er mich nach meiner Ausbildung gerne als Sachbearbeiterin in seinem Team hätte. Nur bei der Integration ins Team ist noch Luft nach oben, findet er. Deshalb hat er sein Kreuzchen bei „ist für eine sachliche Zusammenarbeit mit anderen geeignet“ gesetzt und nicht bei „besitzt hervorragende Eigenschaften zur Zusammenarbeit mit anderen“. Ziemlich klischeeautistisch. Darüber musste ich ein bisschen schmunzeln. Zum einen, weil es sehr treffend ist und zum anderen, weil ich das schon oft gehört habe. Eine sachliche Zusammenarbeit mit anderen ist aber auch genau das, was ich mir wünsche. Keine dauernden Privatgespräche oder gar dicke Freundschaften. Mein Praxisanleiter hätte es aber gern, wenn ich noch ein wenig mehr aus mir heraus käme. Was auch immer das genau bedeuten soll. Ich mag es eigentlich ganz gern in mir drin.

Ehrlich gesagt hatte ich auch gedacht, dass ich insgesamt ziemlich locker bin. Auf jeden Fall viel lockerer, als in meinen bisherigen Jobs. Ich habe vor allem mehr Kontakt zu den anderen als sonst immer und dachte auch, dass ich ziemlich viel erzähle und die anderen schon eine ganze Menge über mich wissen. Da hat mich meine Selbstwahrnehmung wohl mal wieder getäuscht. Ich muss aber auch zugeben, dass ich natürlich weiß, dass ich keine Plaudertasche bin und nur über Privates rede, wenn man mich fragt. Ich habe einfach keine Ahnung, wie man das macht, von sich aus Gespräche anzufangen und sich munter und ungezwungen mit anderen über alles Mögliche zu unterhalten. Das kann ich nicht und das werde ich wohl auch niemals lernen. Mir selbst macht das aber nichts aus. So bin ich eben.

Abgesehen davon verstehe ich auch nicht so recht, warum das überhaupt so wichtig ist, dieses ganze persönliche Privatgedöns im Arbeitsumfeld. Ein freundlicher, höflicher Umgang miteinander, eine gute Zusammenarbeit, wenn es um die Sache geht, gegenseitige Hilfestellung bei Fragen und Problemen und solche Dinge, die sind selbstverständlich wichtig. Mir auch. Aber dass es wichtig ist, einander privat näher kennenzulernen, das erschließt sich mir nicht. Vor allem nicht, wenn man, wie in meiner aktuellen Praxisstelle (und vermutlich in den allermeisten Bereichen der Verwaltung), eigentlich viel mehr nebeneinander herarbeitet und gar nicht wirklich miteinander. Kolleginnen und Kollegen kann man sich außerdem so gut wie nie aussuchen. Sie sind eben da. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass das alles Menschen sind, die man super findet und denen man von seinem Privatleben erzählen möchte. Und man muss sich doch privat auch nicht großartig kennen oder gar toll finden, um gut als Team zu funktionieren. Finde ich zumindest. Wenn sich private Kontakte und Freundschaften entwickeln, schön. Das ist ein netter Bonus. Aber das ist doch keine Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Im Gegenteil, ich finde es sogar wesentlich angenehmer und leichter, mit Menschen zusammenzuarbeiten, von denen ich privat nichts oder nur sehr wenig weiß. Einiges von dem, was ich in den letzten Monaten über die Einstellungen einiger Kolleginnen und Kollegen erfahren habe, hätte ich lieber nicht gewusst, weil es sie mir unsympathisch macht. Ich würde Menschen, mit denen ich täglich Kontakt habe, aber lieber neutral gegenüber stehen als negativ. Es war zwar bisher noch nichts dabei, das so fürchterlich ist, dass ich nicht mehr mit der Person arbeiten könnte, aber sowas kann durchaus passieren. Das ist doch eher hinderlich und trägt rein gar nichts zu einer positiven Arbeitsatmosphäre bei.

Vielleicht sehe ich das auch zu sachlich. Vielleicht gibt es gute und wichtige Gründe dafür, mehr Privates von sich in den Arbeitsalltag einzubringen. Ich weiß es nicht. Mir fällt durch diese Bewertung bloß mal wieder auf, wie anders ich manche Dinge wahrnehme, einordne und gewichte als andere Menschen. Vor ein paar Jahren hätte ich mir darüber vermutlich noch den Kopf zerbrochen und mich gefragt, was mit mir nicht stimmt, was an mir so kaputt ist und warum ich so falsch bin. Inzwischen finde ich es einfach interessant, wie unterschiedlich Menschen sind, und meistens bin ich auch sehr über mich selbst amüsiert. Zum Beispiel darüber, dass ich schon so viel über mich gelernt habe, so vieles endlich verstehe und durchschaue, so vieles so gut reflektieren kann und dann trotzdem irgendwie überrascht bin, wenn ich feststelle, dass ich in vielen Dingen ganz anders bin als die meisten.

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