Meine innere Hermine Granger ist wieder da.

Meine innere Hermine Granger ist wieder da! Noch nicht vollständig, aber zum größten Teil, denke ich. Das mit der Berufsschule und mir, das klappt ziemlich gut. Ich fühle mich dort wohl und gehe gern hin. Dass ich das mal sagen würde! Ich gehe gerne in eine Schule! Absurd, irgendwie. Und ich schaffe es tatsächlich, aktiv mitzumachen, sogar zu den Aktivsten zu gehören. Klar, das hatte ich mir vorgenommen, und ich hatte auch sehr gehofft, es zu schaffen, aber sicher war ich mir nicht, dass ich es auch hinbekommen würde. Sicher war ich mir nur, dass es nicht mehr so werden würde, wie damals am Gymnasium. Dass ich inzwischen viel gelernt habe und mich nicht mehr in so eine schlimme Lage manövrieren würde. Aber zwischen damals und dem, was ich mir wünschte, lagen Welten, und irgendwie bekomme ich es trotzdem tatsächlich hin, recht nahe an dem zu sein, was ich selbst als ideal bezeichnen würde. So ganz werde ich meinen eigenen Ansprüchen noch nicht gerecht, aber ich glaube, das kann ich noch hinbekommen. Und wenn nicht, ist das auch okay. Momentan bin ich auf jeden Fall zufriedener mit mir, als ich es für realistisch gehalten hatte.

Was dabei enorm hilft, ist, dass ich die Unterrichtsinhalte fast ausnahmslos interessant finde. Meinetwegen könnte das Tempo zwar um einiges angezogen werden, weil ich aus der Uni eine viel höhere Stoffdichte gewohnt bin und damit eigentlich gut zurecht kam, aber es ist in Ordnung, wie es ist. Die Berufsschule ist schließlich eher Nebensache und es schadet nicht, dass ich mich dafür nicht übermäßig anstrengen muss. Neu ist trotzdem alles, also lerne ich auch viel. Und mir bleiben dadurch mehr Kapazitäten für all das, was ich in der Praxisstelle lerne und für die vielen, vielen Paragraphen, die ich dafür jeden Tag lese. Das einzige, was mir nicht gefällt, weil es mich maßlos unterfordert und daher langweilt, ist der Englischunterricht. Na ja, und dann ist da noch der Sportunterricht alle zwei Wochen, wobei der sich inzwischen als weniger fürchterlich entpuppt hat, als ich anfangs angenommen hatte. Wirklich fürchterlich ist im Grunde nur der Muskelkater, den ich danach immer das ganze Wochenende über habe.

Inzwischen habe ich auch ein bisschen mehr Kontakt zu meinen Mitazubis. Ich gehöre zwar zu keinem der Grüppchen, die sich inzwischen gefestigt haben, dazu, aber das macht nichts. Ich suche keine engen Freunde. Ich will nur nicht generell von allen abgelehnt werden. Hier und da habe ich mich schon unterhalten. Darüber, wie uns die Ausbildung gefällt, wie unsere Praxisstellen so sind (wir sind ja alle in ganz unterschiedlichen Bereichen), wie das Azubi-Sein so ist im Vergleich zu dem, was wir vorher gemacht haben (manche von den anderen haben wie ich ein Studium abgeschlossen, manche anderen eine andere Ausbildung) und solche Dinge. Ich selbst gehe natürlich nie auf andere zu. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie das geht und werde das wohl auch nie lernen. Aber scheinbar bin ich manchen ganz sympathisch oder sie sind aus irgendwelchen Gründen neugierig auf mich oder sie wollen sich einfach unterhalten, wie auch immer, jedenfalls werde ich manchmal angesprochen und mit manchen klappt es tatsächlich, dass ein nettes Gespräch zwischen zwei Unterrichtsstunden daraus wird. Das ist schön, aber es ist auch anstrengend, deshalb brauche ich oft einfach Pausen von allem und ziehe mich zwischen dem Unterricht ganz von der Klasse zurück. Nicht besonders gesellig, ich weiß. Die Erholung ist aber wichtig.

Noch herminiger als in der Berufsschule bin ich in meiner Praxisstelle. Das hatte ich ja vor einer Weile schon erzählt und es ist seitdem nicht weniger herminig geworden. Es ist einfach alles so interessant und ich will alles ganz genau wissen, am besten schon seit Monaten! Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich viel zu viel Eifer für die Zeit habe, die so ein Tag nunmal so hat. Und dann ist da ja noch der Haushalt. Aber ich bin fleißig, auf der Arbeit sowieso und auch in meiner Freizeit, wenn es geht. Das ist, neben der Tatsache, dass ich mir sicher bin, in diesem Beruf die richtige Nische für mich zu finden, das beste an der Ausbildung: dass mich all das, was ich machen und lernen darf, wirklich interessiert. Und das ist bestimmt auch das, was meine innere Hermine Granger geweckt hat und ihr den Mut und die Energie gibt, sich endlich wieder durchzusetzen.

2 Gedanken zu “Meine innere Hermine Granger ist wieder da.

  1. Bei mir war (und ist) es immer die innere Willow Rosenberg. :)
    Aber „herminig“ ist eine sehr schöne Umschreibung des Umstandes.

  2. Toll, dass du dich da so gut reingefunden hast und dass dich alles interessiert! Da macht es gleich mehr Spaß, sich damit zu beschäftigen. :)
    Und „herminig“ ist ja mal ein super Wort! 😍

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