Schneekugelkopf.

Sie sausen und kreisen und wirbeln wild durcheinander durch meinen Kopf, die ganzen neuen Informationen, wie Schneeflocken in einer Schneekugel, die kräftig durchgeschüttelt wurde. Ein wirres Informationsschneegestöber in meinem Hirn sozusagen, vollkommen ungeordnet, ohne jede Struktur und Ruhe, viel zu schnell, viel zu hektisch und viel zu viel auf einmal. Mit jeder neuen Information entstehen neue Wirbel, neues Chaos, neue Unruhe, ganz so, als wäre die Schneekugel noch mal durchgeschüttelt worden. Und noch mal. Und noch mal. Es hört einfach nicht auf. Neuer Input, neue Sturmböen. Ich sehe sie alle, diese lustig tanzenden Informationsschneeflöckchen, aber ich kann kaum was erkennen und greifen kann ich sie schon gar nicht. Das geht so nicht. Da muss Ordnung rein. Aus einem wilden Informationsschneegestöber kann ich kein Wissen machen und das fühlt sich einfach fürchterlich an, frustrierend, als wäre ich unzureichend, nicht intelligent genug. Also darf die Schneekugel nicht mehr geschüttelt werden, zumindest für eine Weile nicht. Ich muss das Schütteln stoppen. Zur Ruhe kommen. Mir Zeit nehmen. In der Mittagspause zum Beispiel und ganz besonders natürlich zu Hause. Das ist dann so, als würde man die Schneekugel einfach mal in Frieden lassen und sie auf den Tisch stellen. Und wenn sie so herumsteht, dann wird das Schneegestöber nach und nach immer langsamer und ruhiger, das wilde Sausen und Kreiseln und Wirbeln wird weniger, das Durcheinander nimmt ab, die Flöckchen sinken Stück für Stück weiter und weiter nach unten, ganz gemächlich, bis sie endlich alle auf dem Schneekugelboden liegen, vollkommen still. Dann sind sie keine vereinzelten Flöckchen mehr, sondern eine wunderbare, weiche Schneedecke. Eine Einheit. So ähnlich funktioniert das mit dem Informationsschneegestöber in meinem Kopf. Natürlich stelle ich den nicht auf den Tisch, das stelle ich mir sehr ungemütlich vor und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn absetzen kann, ohne ihn in seiner Funktion erheblich zu beeinträchtigen. Vermutlich eher nicht. Also lege ich ihn lieber aufs Sofa, zusammen mit dem Rest von meinem Körper. Und dann warte ich. Ich warte, bis sich der wirbelnde Sturm aus neuen Informationen in meinem Hirn gelegt hat. Bis Ruhe herrscht. Bis sich die Informationen sozusagen gesetzt haben. Wenn das geschafft ist, kann ich das ganze Neue in aller Ruhe betrachten, mir Gedanken darüber machen, es ordnen, eine Struktur reinbringen. Das geht von Tag zu Tag ein bisschen leichter, weil von den Tagen davor schon eine immer dicker werdende Schicht an geordneten Informationen herumliegt. Die zieht die neuen Informationen regelrecht an. Und dann sind da auf einmal nicht mehr viele lose Informationsschneeflöckchen, die sich überhaupt nicht richtig greifen lassen, sondern ein Gefüge. Ein Gefüge, das ich verstehe, das Sinn ergibt, das jeden Tag um einen Haufen neuer Informationen wächst. Dann ist da wunderbares, neues Wissen.