Mein Kopf ist voll.

Und dabei sind erst zwei Einführungstage vorbei! Zwei von vieren. Was meine Mitauszubildenden und ich in diesen Tagen lernen, ist zwar in allererster Linie organisatorischer Kram und hat mit der Arbeit an sich noch recht wenig zu tun, trotzdem ist das alles natürlich interessant und vor allem wichtig zu wissen. Ich mache meine Ausbildung im öffentlichen Dienst und der ist, wie sollte es auch anders sein, ein bürokratisches Monstrum. Das finde ich im Grunde gar nicht schlecht, denn alles ist säuberlich geregelt und klar strukturiert. Aber es ist wirklich viel, was wir in diesen für die Masse an Informationen doch recht wenigen Einführungstagen aufnehmen sollen. Es ist so eine Art Druckbetankung. Und deshalb ist mein Kopf gerade ziemlich voll. Natürlich gibt es zwischendurch auch mal lockere Momente und Phasen. Wir haben heute zum Beispiel eine sehr interessante und unterhaltsame Führung durch den Bezirk bekommen. Außerdem haben am wir am Anfang eine lustige kleine Vorstellungsrunde gemacht, bei der sich herausgestellt hat, dass ich nicht die einzige Geisteswissenschaftlerin mit Masterabschluss bin, die sich dann doch noch mal umorientiert hat. Das ist irgendwie ganz nett. Wer weiß, vielleicht verstehe ich mich tatsächlich mit manchen ganz gut. So richtig in Kontakt gekommen bin ich noch mit niemandem, aber alles andere hätte mich auch sehr gewundert. Kontaktaufnahme ist eben nicht gerade meine Stärke. Genau genommen kann ich das sogar überhaupt nicht. Und ich kann auch nicht sonderlich gut auf Kontaktaufnahmeversuche von anderen eingehen, vor allem nicht, wenn immer gleich ganze Grüppchen beieinander stehen und sich alle irgendwie mit irgendwem unterhalten. Vielleicht entsteht durch die Berufsschule und die Akademie ein bisschen mehr Kontakt in kleinerem Rahmen. Ich muss nicht unbedingt richtige Freundinnen finden, aber es wäre schön, keine komplette Außenseiterin zu sein. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Dann, und das war mir erst mal das Wichtigste, habe ich auch endlich, endlich meinen Ausbildungsplan bekommen, in dem genau steht, wann ich in welcher Abteilung arbeiten werde, welche Aufgaben ich dort bekomme und wie die einzelnen Ausbildungsziele aussehen. Soweit liest sich alles interessant und ich habe keine Station bekommen, auf die ich nicht neugierig bin. Gleich die erste scheint mir allerdings die für mich persönlich herausforderndste zu sein, aber ich versuche, mich jetzt nicht völlig verrückt zu machen, sondern erst mal abzuwarten. Am Mittwoch darf ich schon mal für zwei, drei Stündchen in die Abteilung reinschnuppern und am Donnerstag ist dann mein erster ganzer Tag dort. Der erste von ziemlich vielen. Laut Plan dauert meine Ausbildung drei Jahre (es sei denn, ich schaffe es wie geplant, die Bedingungen für eine Verkürzung zu erfüllen) und in dieser Zeit durchlaufe ich sechs Abteilungen. Dazwischen liegen insgesamt drei Akademieblöcke, also jedes Jahr einer, von jeweils ungefähr zweieinhalb Monaten. In jeder Abteilung bin ich also ungefähr fünf Monate lang. Parallel dazu findet jede Woche auch noch Berufsschulunterricht statt. Das wird eine ganze Menge Input! Ich bin sehr gespannt darauf und freue mich wirklich.

Der Berufsschulunterricht startet nächste Woche. Den Stundenplan habe ich noch nicht bekommen. Den gibt es erst am Dienstag, wenn ich das erste Mal in der Schule bin. So richtig weiß ich also noch nicht, was da kommt. Immerhin haben wir heute schon mal eine Bücherliste bekommen und einige Bücher wurden und werden uns freundlicherweise sogar geschenkt. Ich bin zum Beispiel bald stolze Besitzerin eines Exemplars des Bürgerlichen Gesetzbuches. Wenn ihr also irgendwas über eure Rechte und Pflichten als Bürgerinnen und Bürger wissen wollt, fragt mich einfach! Ich weiß zwar auch noch nicht so viel darüber, aber ich kann es immerhin für euch nachschlagen.

Insgesamt ist auf jeden Fall gerade alles sehr interessant und aufregend und ich bin sehr, sehr erleichtert, dass meine vollkommen irrationale Angst, es könnte eine Verwechslung gegeben haben und sie hätten gar nicht mich gemeint, sondern die Zusage eigentlich jemand anderem schicken wollen, ganz und gar unbegründet war. Natürlich! Meine Vertragsunterzeichnung war schon Anfang Juni. Das wäre längst aufgefallen. Trotzdem bin ich die Angst erst vorgestern, am ersten Tag, ganz losgeworden.

Ich kann also, wie angekündigt, weiter über meine Ausbildung berichten. Jippie! Was die einzelnen Abteilungen angeht, in denen ich arbeiten werde, und vor allem was viele konkrete Arbeiten angeht, die ich erledigen werde, kann ich natürlich nicht ins Detail gehen und ich werde deshalb bestimmt einige Dinge recht abstrakt halten müssen, denn ich will selbstverständlich nicht, dass irgendwelche Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Wie der Ausdruck „öffentlicher Dienst“ schon sagt, stehe ich im Dienst der Öffentlichkeit, also im Dienst der Bürgerinnen und Bürger und bin damit natürlich dazu verpflichtet, ihre Privatsphäre zu schützen. Das nehme ich ausgesprochen ernst und es ist mir wirklich sehr wichtig. Und das ist selbstverständlich nicht nur ein persönliches Pflichtgefühl. Verschwiegenheit, was personenbezogene Informationen angeht, ist gesetzlich vorgeschrieben, genau wie bei allem, was Interna angeht. Ich denke, das ist klar. Es wird hier also in erster Linie darum gehen, wie ich mich als Autistin in diesem Umfeld bewege und wie es mir dabei ergeht, welche Erfahrungen ich im Bereich Inklusion mache zum Beispiel, oder an welchen Stellen mir mein Autismus das Leben schwerer oder eben auch leichter macht, denn meine andere Wahrnehmung und Herangehensweise hat definitiv auch viele Vorteile. Ich bin auf alles sehr gespannt.

Was ich aber auf jeden Fall schon mal verraten kann, ist, dass ich keinen Praxisabschnitt im Ordnungsamt haben werde. Ihr müsst also keine Angst haben, dass ich in einer unheilverkündenden Uniform hinter euren widerrechtlich parkenden Autos auftauche und Knöllchen hinter eure Scheibenwischer klemme. Hurra!

7 Gedanken zu “Mein Kopf ist voll.

  1. Ich habe vorher studiert und habe einen Masterabschluss in Linguistik. Es sind noch ein paar andere dabei, die auch Geisteswissenschaften studiert haben und nun diese Ausbildung machen und einige haben vorher andere Ausbildungen gemacht. Die allermeisten sind aber jünger als ich.

  2. Mich freut es sehr, das du die Chance hast einen schönen, neuen Beruf erlernen zu können. Drücke dir die Daumen, damit du ein paar Kontakte knüpfen kannst und sich evtl. Schwierigkeiten im Rahmen halten.
    Alles Liebe,
    Gitte

  3. Mit dem Ordungsamt beruhigt mich ungemein :)
    Ansonsten hört sich das ja ganz gut, aber auch recht anstrengend an, aber du bist motiviert, hast Spaß daran, also packst du das.
    Du machst das jetzt als zweite Ausbildung? Sind die anderen dann alle viel jünger als du?
    Wünsche dir, dass du irgendwo Anschluss findest, selbst habe ich das nie geschafft.

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